Erste sozialwirksame Schule in Hessen

Das von dem Münchner Schulpsychologen Dr. Hopf entwickelte Konzept versucht in einem systemischen Mehrebenenansatz die Lernkultur einer Schule nachhaltig zu verbessern.

Das pädagogische Fundament bildet dabei das Konzept der „Autoritativen Erziehung“ als ein Balancemodell von schulischer Wärme und Strenge. Als Voraussetzung für erfolgreiches fachliches Lernen ist für Hopf die Qualität des Schul- und Klassenklimas von zentraler Bedeutung.

 

Die Ziele des Konzepts

Das Konzept zur Stärkung der sozialen Qualität an einer Schule verfolgt fünf übergeordnete Ziele:

 

  • Verbesserung der Wahrnehmung der schulischen Erziehungsaufgabe
  • Entwicklung des Sozialklimas und der Lernkultur
  • Vermittlung sozialer Kompetenzen an Schüler*innen
  • Stärkung ihrer Persönlichkeit
  • Verminderung von Aggressivität und Gewalttätigkeit in der Schule

 

Die Bausteine der „Sozialwirksamen Schule“ an der Friedrich-Ebert-Schule

  • Verbindlicher Werte- und Regelkatalog
  • Regelmäßige Schulversammlungen
  • Werteerziehung im Rahmen des Klassenlehrerunterrichts
  • Sozialtraining mit der Schulsozialarbeit
  • Regelmäßige Projekttage

    Die SWS-Regeln finden Sie als PDF im Bereich Downloads.

Freitagsrunde

Die Bündelung und Konzentration der Ermahnungen am Freitag nach der 8. Stunde (14:45 Uhr – 15:45 Uhr) soll, wie an anderer Stelle des schulischen Ordnungsrahmens auch, den Schüler*innen deutlich vor Augen führen, dass ein nicht ausreichendes Arbeitsverhalten nicht ohne spürbare Konsequenzen bleibt. Die Platzierung dieser pädagogischen Maßnahmen an einem Freitagmittag ist eine solche spürbare Konsequenz, weil sie in ungewohnter Weise in die vermeintlich selbstverständliche persönliche Zeiteinteilung von vielen Schüler*innen am Wochenende eingreift.

Entlastung von Lehrkräften und schulischer Logistik
Die bisherige Praxis an unserer Schule, die Organisation und Abwicklung pädagogischer Begleitmaßnahmen für nicht ausreichendes Arbeitsverhalten der Schüler*innen den einzelnen Lehrkräften zu überlassen, ist arbeitsintensiv, schwierig sowie für die schulische Öffentlichkeit (Flur im Lehrerzimmerbereich, Lehrerzimmer) belastend und oft störend. Mit der Einführung der „Freitagsrunde“ können hier deutliche Verbesserungen und Erleichterungen für alle Beteiligten erreicht werden: Mit der Einführung der „Freitagsrunde“ werden zukünftig alle diese Maßnahmen verbindlich für die Lehrkräfte und die Schüler und Schülerinnen nur noch an diesem Tag und zu dieser Zeit durchgeführt. Damit werden die Schule und alle Lehrkräfte deutlich entlastet.

Arbeit in der „Freitagsrunde“
Der Verweis in die „Freitagsrunde“ muss immer mit einer konkreten Aufgabenstellung für die Schüler*in verbunden sein (Nacharbeiten, Zusatzaufgaben, Nachdenkprotokoll, Regelarbeit). Die Aufgabenstellung muss so gewählt sein, dass sie für die angegebene Verweildauer hinreichend ist. In der „Freitagsrunde“ sind grundsätzlich keine Materialien vorhanden.

Verfahren des Verweises
Für den Verweis in die „Freitagsrunde“ gibt es ein Formblatt, das ausgefüllt wird und bis Donnerstag um 12 Uhr, im Fach „Freitagsrunde“ (Lehrerzimmer D-Bau) abgelegt werden muss, soll die Schüler*in noch am folgenden Freitag die Runde besuchen.
Über den Verweis in die Freitagsrunde müssen die Eltern rechtzeitig vor dem vorgesehenen Besuchstermin formlos mit Hilfe des Überweisungsformulars informiert werden.

Kontrolle
Die Anwesenheit wird während des Besuchs der Schüler*in in der „Freitagsrunde“ von den aufsichtsführenden Kolleg*innen kontrolliert. Die Lehrkraft, die den Verweis vorgenommen hat, wird im Anschluss über alle Vorkommnisse in der Freitagsrunde informiert.

Zeiten
Die Freitagsrunde ist jeden Freitag von 14.45 Uhr bis 15:45 Uhr geöffnet. Je nach Bedarf, den wir am Donnerstagmittag absehen können, werden 1-2 Räume geöffnet sein. Die betreffenden Räume werden rechtzeitig vorher bekannt gegeben.

 

 

Nachdenkraum

Die Einführung eines Nachdenkraums soll die pädagogische Wirksamkeit des Konzepts der „Sozialwirksamen Schule“ auf der Ebene des Unterrichts verstärken und unterstützen.
Der Nachdenkraum soll mithelfen, das Unterrichten in sozial belasteten Klassen störungsfreier, einfacher und damit effektiver zu machen. Die Unterrichtsqualität soll damit erhöht und die Stressbelastung der Lehrkräfte gemindert werden.
Der Nachdenkraum ist konzeptionell ein integraler Baustein der SWS und kein eigenständiges pädagogisches Konzept.
Er basiert auf dem Werterahmen, den Schulregeln und dem Ordnungsrahmen der FES.

Das Konzept des Nachdenkraums an der FES ist eine schulpragmatische Anlehnung an das Trainingsraumkonzept von Dr. Balke, ohne es konzeptionell wirklich zu übernehmen. In wesentlichen Punkten gibt es bewusste und gewollte Abweichungen.


Einführung

Die Einführung des Nachdenkraums an der FES vollzieht sich in zwei Etappen. In der „Pilotphase“, die bis zu den Sommerferien des laufenden Schuljahres geht, werden die Klassen der Förderstufe und der Hauptschule einbezogen. Nach einer Auswertung der halbjährigen Erfahrung und einer möglichen konzeptionellen Überarbeitung sollen dann im neuen Schuljahr alle Klassen der Mittelstufe in das Konzept eingeschlossen werden.

Konzept des Nachdenkraums als Option

Der Nachdenkraum ist Teil des schulischen Ordnungsrahmens und kann entsprechend von allen Kolleginnen und Kollegen der angeschlossenen Klassen als pädagogisches Instrument zur Stärkung des Unterrichtsfriedens eingesetzt werden.
Entscheidet sich eine Kollegin/ein Kollege dafür, mit diesem pädagogischen Instrument in ihrem/seinem Unterricht zu arbeiten, ist er/sie verpflichtet, sich an die im Konzept vereinbarten Verfahrensregeln konsequent zu halten. Er/sie ist zudem gehalten, die betroffenen Klassen zu informieren, dass er/sie sich dieses Verfahrens bei massiven oder wiederholten Unterrichtsstörungen bedienen wird. Dazu müssen die Klassen auf die Konsequenzen bei einem oder mehreren Verweisen hingewiesen werden.
Die Kollegen/innen verpflichten sich im Hinblick auf die Konsequenzen, die mit einem oder mehreren Verweisen für die Schüler/innen verbunden sind, dieses pädagogische Instrument mit Augenmaß einzusetzen.

Verfahren des Verweises in den Nachdenkraum

Stört ein/e Schüler/in wiederholt oder massiv den Unterricht , soll von allen Kollegen und Kolleginnen folgendes Verfahren eingehalten werden:

Für den Fall der wiederholten Unterrichtsstörung

  1. Zuerst erfolgt eine Ermahnung.
  2. Das zweite Mal wird der/die Schüler/in ausdrücklich ermahnt mit dem Hinweis die Schulregeln einzuhalten und der Androhung sonst in den Nachdenkraum gehen zu müssen.
  3. Beim dritten Mal wird der/die Schüler/in mit den Worten „Du hast dich mit deiner dritten Störung für den Nachdenkraum entschieden. Du verlässt jetzt mit deinen Schreibsachen und deinem Heft den Klassenraum und gehst in den Nachdenkraum. Dort bleibst du bis zum Ende meiner Stunde. Wenn du dein Nachdenkprotokoll angefertigt hast, nimmst du ein (fachbezogenes) Arbeitsblatt aus einem Ordner im Nachdenkraum und bearbeitest das. Du zeigst es mir am Anfang der nächsten Stunde.  Dies ist eine Verwarnung und darüber gibt es keine Diskussion. Deine Eltern erhalten eine Nachricht.“

Der/die Schüler/in erhält nach Erteilung des Verweises einen Laufzettel mit den notwendigen Angaben (siehe „Kontrolle“) für den/die Kollegen/in im Nachdenkraum.

Für den Fall der massiven Unterrichtsstörung

Stört ein/eine Schüler/in massiv den Unterricht und unterbricht den Unterrichtsfluss gravierend, erfolgt ein sofortigerVerweis in den Nachdenkraum mit den Worten:

  • „Du hast jetzt den Unterricht massiv gestört und schwerwiegend gegen unsere Schulregeln verstoßen. Du verlässt jetzt mit deinen Schreibsachen und deinem Heft den Klassenraum und gehst in den Nachdenkraum. Du bleibst dort bis zum Ende meiner Unterrichtsstunde. Wenn du dein Nachdenkprotokoll erledigt hast, nimmst du ein (fachbezogenes) Arbeitsblatt und bearbeitest das. Du zeigst es mir am Anfang der nächsten Stunde. Dies ist eine Verwarnung und darüber gibt es keine Diskussion. Deine Eltern erhalten eine Nachricht.“

 

Ordnungsrahmen

Für alle Schülerinnen und Schüler der Friedrich-Ebert-Schule gelten folgende Grundregeln:

S 1 Ich verpflichte mich, gegenüber allen Schülerinnen, Schülern, Lehrkräften, Mitarbeitern und Gästen der Schule respektvoll zu sein.

S 2 Ich verpflichte mich, für unseren gemeinsamen schulischen Erfolg mit Einsatz und Fleiß zu arbeiten.

S 3 Ich verpflichte mich, unsere Schule als Lern- und Lebensraum zu erhalten und zu pflegen.

S 4 Ich verpflichte mich, in den Pausen und in der unterrichtsfreien Zeit zu einer erholsamen und angenehmen Atmosphäre beizutragen.

S 5 Ich verpflichte mich, mich für meine Klasse, unsere Schule und Schulgemeinschaft einzusetzen.

 

Sollte eine Schülerin oder ein Schüler gegen diese Regeln verstoßen, können wir mit pädagogischen Maßnahmen oder mit Ordnungsmaßnahmen reagieren.

Dazu gehören beispielsweise: Ermahnungen, Elterngespräche, Verweise in den Nachdenkraum, Sozialstunden, Verwarnungen, Missbilligungen oder Ordnungsmaßnahmen nach §82 HSchG + VO.

Immer ist eine Einzelfallprüfung vorzunehmen und immer gilt für uns der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit.

Die Sozialverhaltensnote spiegelt das Gesamtverhalten der Schülerin oder des Schülers über das Halbjahr hinweg wider. Zum Schuljahresende wird das Gesamtverhalten der Schülerin oder des Schülers über das Jahr hinweg beurteilt, wobei der Beurteilungsschwerpunkt auf dem zweiten Halbjahr liegt.